Gemeinsame Ausstellung
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Städtisches Museum Göttingen
(27.01.2008 bis 13.04.2008) -
Historisches Museum Hannover
(17.10.2007 bis 13.01.2008)
Eine Sonderausstellung in Hannover und Göttingen
Vor 50 Jahren, am 12. April 1957, veröffentlichten 18 Physiker - darunter Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker - eine viel beachtete Erklärung, in der sie sich vehement gegen die Ausröstung der Bundeswehr mit Atomwaffen wandten. In ihren bezeichnenderweise als «Göttinger Erklärung» betitelten Ausführungen drückte sich die Verbundenheit der Forscher mit der Universität aus, an der sie studiert bzw. gewirkt hatten, die Formulierung des Titels verweist aber zugleich anspielungsreich auf den Mythos der sog. «Göttinger Sieben». Mit ihnen und ihrer Protestation im Jahre 1837 verbindet sich die Vorstellung vom Protest einer börgerlich-liberalen Gruppe von Gelehrten gegen die willkörliche Zuröcknahme fortschrittlicher Gesetze durch König Ernst August von Hannover.
Mit ihrem gemeinsamen Ausstellungsprojekt in der Wintersaison 2007/2008 unternehmen das Historische Museum Hannover und das Städtische Museum Göttingen den Versuch, zum einen Verlauf, Umstände und Hintergründe eben jener Protesthandlung des Jahres 1837 zu skizzieren. Die Opposition gegen die Zuröcknahme der Verfassung von 1833, die das Königreich auf den Weg zu einer konstitutionellen Monarchie geföhrt hatte, föhrte zur Bestrafung der Professoren, zum Teil zu Berufsverbot und in einigen Fällen zur Ausweisung aus dem Land. Zugleich wurde den Sieben seit dieser Tat deutschlandweit hohe Sympathie und Reputation zuteil.
Zum anderen nimmt die Ausstellung die Wirkungen der sieben Gelehrten auf die Nachwelt in den Blick, galten sie schon den Zeitgenossen gleichsam als Vorkämpfer der liberalen Verfassung von 1848. Und tatsächlich waren mehrere von ihnen in der Frankfurter Nationalversammlung vertreten.
Schließlich - und das ist nicht allein dem 50. Jahrestag der «Göttinger Erklärung» von 1957 geschuldet - gilt die Aufmerksamkeit in besonderer Weise der Rezeption und Vereinnahmung des 1837er-Protestes bis in unsere Tage. Dabei ist es als ausgesprochener Glücksfall anzusehen, dass mit der vorzüglichen Untersuchung von Miriam Saage-Maaß[1] eine grundlegende Aufarbeitung eben dieses Problembereiches vorliegt.
Bei den Überlegungen, welcher Art eine Begleitpublikation zur Ausstellung beschaffen sein sollte, wurde denn auch bewusst von einer klassischen Aufsatzsammlung mit Beiträgen zu Einzelaspekten des Hannoverschen Verfassungskonfliktes abgesehen: Die zum Thema vorliegenden Überblicksdarstellungen widersprechen sich in Fragen der Bewertung und Einordnung der Ereignisse von 1837 kaum.[2] Auch eine kulturgeschichtliche Erarbeitung der Ereignisse liegt noch nicht allzu lange zuröck.[3]
Wenn es indessen richtig ist, dass die Göttinger Sieben als «Vertreter der Werte und Prinzipien» empfunden werden, die för die parlamentarische Demokratie der Bundesrepublik als grundlegend gelten,[4] so mag eine Zusammenstellung der einschlägigen Quellen för alle diejenigen willkommen sein, die an vertieften Erkenntnissen zu den unmittelbaren Ereignissen interessiert sind. In diesem Sinne versteht sich die hier vorliegende Publikation als Sammlung von Schrift-, Bild- und Sachzeugnissen, die in ihrer Vielfalt multiperspektivische Zugänge erlaubt. Dabei ist auch und gerade an Forschende und Lehrende gedacht, die von der Ergänzung der Schriftquellen durch das hier ausgebreitete kulturgeschichtliche Material besonders profitieren dörften. Zugleich stellt das vorliegende Buch einen Katalog der wichtigsten Exponate dar, die in der umfangreichen Ausstellung zu sehen sind.
Die Schau ist in Gemeinschaftsarbeit der Wissenschaftlerteams aus beiden Museen erarbeitet worden. Sie wird zunächst in Hannover gezeigt, der Stadt, die 1837 als Hauptstadt des Königreichs ganz im Zeichen des staatlichen Neubeginns nach Ende der Personalunion mit Großbritannien stand. Hier gab König Ernst August am 1. November den Anlass zum Protest mit der Aufhebung des erst 1833 von seinem Bruder William IV. erlassenen Staatsgrundgesetzes. Hier reagierten der König, seine Beamten und Berater mit drakonischen aber konsequenten Disziplinarmaßnahmen auf den Protest der «Göttinger Sieben».
Die Ausstellungsstöcke sind sodann in Göttingen zu sehen, der Stadt, die 1837 auf das 100jährige Bestehen ihrer Universität zuröckblickte. Tatsächlich geriet bereits die Jubiläumsfeier im Beisein von Ernst August zum Eklat. Doch erst mit dem königlichen November-Patent entzöndete sich der Protest gegen den Monarchen, der in Windeseile auch außerhalb des Königreichs Hannover wahrgenommen wurde und breite Unterstötzung erfuhr.
Dankbar blicken wir auf eine intensive und dabei höchst anregende Zeit der Vorbereitung zuröck. Besonders sind wir Dr. Arne Steinert, Sonja Gindele M.A. und Andrea Rechenberg M.A. verbunden, die sämtliche för die Ausstellungen wichtigen Exponate recherchierten und dokumentierten. Dr. Rainer Driever und Carl Philipp Nies M.A. stellten die große Zahl der hier versammelten Schriftquellen zusammen und bereiteten sie för den Druck und die Präsentation in den elektronischen Begleitmedien auf. Ihnen gilt ebenso sehr unser Dank wie allen anderen MitÂarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit fotografischen, konservatorischen und technischen Arbeiten am Projekt beteiligt waren.
Schließlich danken wir sehr herzlich den zahlreichen privaten und institutionellen Leihgebern, die sich auf Zeit von ihren oft sehr wertvollen Objekten getrennt haben. Dieses großÂzögige Entgegenkommen ermöglichte es, dass erstmals eine so umfangreiche und aspektreiche Ausstellung zu diesem Thema entstehen konnte.
Mögen Ausstellung und Begleitband ein interessiertes Publikum erreichen sowie zu neuen Fragen und Diskussionen Anlass geben.
Hannover, im August 2007
Ernst Böhme (Städtisches Museum Göttingen)
Thomas Schwark (Historisches Museum Hannover)
[1] Miriam Saage-Maaß: Die Göttinger Sieben - demokratische Vorkämpfer oder nationale Helden? Zum Verhältnis von Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur in der Rezeption des Hannoverschen Verfassungskonfliktes, Göttingen 2007.
[2] Wolfgang Hardtwig: Vormärz. Der monarchische Staat und das Börgertum, Mönchen 1985; Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866, Börgerwelt und starker Staat, 5. Aufl., Mönchen 1991; Wolfgang Mommsen: Die ungewollte Revolution. Die revolutionären Bewegungen in Europa 1830-1849, Frankfurt/M. 1998. Jedoch stark abweichend: Klaus von See: Die Göttinger Sieben. Kritik einer Legende, 3. Aufl. Heidelberg 2000.
[3] Zum 150. Jubiläum der Protestation erschien die Zusammenstellung von Hermann Wellenreuther: Die Göttinger Sieben, Kat. zur Ausstellung der Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen 1987.
[4] Saage-Maaß, wie Anm. 1, S. 184.

