Gemeinsame Ausstellung

 

 

 

 

 

Jede Zeit formt sich ihre Sieben

Der Blick auf die dramatischen Ereignisse im November 1837 verändert sich je nach dem eigenen Standpunkt. Im Protest der Sieben steckt viel Symbolik, die sich unterschiedlich deuten und vereinnahmen lässt.

In den Jahrzehnten, die dem Geschehen unmittelbar folgten, lobte man die Professoren für ihre Entschiedenheit, mit der sie ihre Überzeugung verteidigten: Solche Männer braucht das Land, um tatkräftig das ersehnte Deutsche Reich zu erschaffen.

1887, zum 50. Jahrestag der Protestation, war die Reichseinheit vollendet: Opponenten gegen den Staat waren nun nicht mehr gefragt.

Auch die Weimarer Republik sah kaum Notwendigkeit, Traditionslinien der »Sieben« aufzugreifen. Jetzt musste sich ein schwacher Staat gegen Extremisten von rechts und von links zur Wehr setzen.

Ganz anders die Nationalsozialisten: Sie machten die Göttinger Sieben zu Vorkämpfern ihrer Idee von der deutschen Volksgemeinschaft. Bereit ihre ganze Existenz aufs Spiel zu setzen, hätten sie »vorbildhafte völkische Aufopferungsbereitschaft" bewiesen.

1957, mitten im Kalten Krieg, trafen 18 westdeutsche Kernphysiker wiederum eine Gewissensentscheidung und verweigerten sich mit einer »Göttinger Erklärung« den Plänen zur Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Die Parallelen zu den »Sieben" waren in der Bundesrepublik und in der DDR gleichermaßen schnell gezogen.

Zum hundertfünfzigsten Jubiläum würdigte man die Widerständigkeit der »Sieben« - ein vorbildhaftes Verhalten, an dem es gerade in der NS-Zeit gemangelt hatte. 1992 schließlich setzte man den Protestieren am Niedersächsischen Landtag ein »Denkmal für Zivilcourage«.

(Arne Steinert)