Gemeinsame Ausstellung

 

 

 

 

 

Georg Heinrich August Ewald (1803-1875)

Portrait Georg Heinrich August Ewald

Vom Tuchmachersohn zum geschätzten Orientalisten

 

Als Sohn eines Tuchmachers wurde Georg Heinrich August Ewald am 16. November 1803 in Göttingen geboren. Damit war er der einzige »Hannoveraner« unter den Göttinger Sieben. Mit 17 begann er sein Studium der klassischen Philologie, Theologie und Orientalistik an der Universität Göttingen. 1823 promovierte er dort zum Doktor der Philosophie. Zunächst war er Lehrer in Wolfenbüttel, wo er die reichen Bestände der Herzog August Bibliothek zur Orientalistik nutzte. 1824 kam Ewald nach Göttingen zurück und arbeitete als Repetent der Theologischen Fakultät. Im Mai 1827 wurde er zum außerordentlichen Professor für orientalische Sprachkunde ernannt. 1830 heiratete er Wilhelmine Gauß, die älteste Tochter des Mathematikers Carl Friedrich Gauß. Als Ewald im Juli 1831 zum ordentlichen Professor ernannt wurde, war er bereits ein geachteter und anerkannter Orientalist und Theologe.

Ewald war 34 Jahre alt, als er 1837 die Protestation der "Sieben« unterschrieb.


Schachbrett und Möbel aus dem Besitz Ewalds Rückkehr nach Göttingen

Die 1838 erschienenen Schriften »Worte für Verständige und Freude" und »Worte an Herrn Klenze in Hannover." waren Ewalds Beitrag zur Verteidigung der »Sieben". Im selben Jahr ging er als Orientalist nach Tübingen. 1841 wechselte Ewald an die theologische Fakultät. Da er sich in Tübingen mit seinen Kollegen zerstritt, bemühte sich Ewald um eine Rückberufung nach Göttingen. 1848 konnte er an die Georgia Augusta zurückkehren und dort wieder alttestamentliche Theologie und orientalische Sprachen lernen. Vorreden und Nachreden seiner Bücher benutzte Ewald zu politischen Stellungnahmen. 1867 verweigerte er abermals einen Eid - diesmal hätte er nach dem Anschluss Hannovers dem preußischen König Wilhelm I. huldigen sollen. Er wird zunächst nur aus der Fakultät ausgeschlossen aber verliert am 28. Oktober 1868 endgültig die Lehrerlaubnis. Anlass waren kritische Äußerungen in seiner Schrift »Das Lob des Königs und des Volkes." Ein Gerichtsverfahren wegen Majestätsbeleidigung endete jedoch mit einem Freispruch. Von 1869 bis 1875 war Ewald Vertreter der Stadt Hannover im Reichstag. Er starb am 4. Mai 1875 in Göttingen.

(Sonja Gindele / Arne Steinert)