Gemeinsame Ausstellung

 

 

 

 

Aus der Schreibstube ans Licht der Öffentlichkeit

Hannoverscher Postillon

Nach der Aufhebung der Verfassung war die Unsicherheit in der Göttinger Professorenschaft groß. Schließlich formulierte Dahlmann einen Protest, der auf dem Dienstweg am 18. November 1837 dem Universitätskuratorium zuging.

Gervinus allerdings gab den Text an Studenten weiter - eine gezielte Indiskretion mit Folgen: Wohl auf seine Veranlassung stellten noch am selben Wochenende gut 800 der insgesamt 900 Studenten weit über 1000 Abschriften her!

Sie wurden an Freunde, Eltern und Verwandte, aber auch, vorbei an der Zensur, an Zeitungsredaktionen geschickt. Die Presse im In- und Ausland berichtete schon wenige Tage später.

Die Universitäts-Spitze hatte zunächst gezögert, die Protestation nach Hannover weiterzuleiten, weil man hoffte, die Sieben zu einem Rückzieher bewegen zu können. Nun stand der Text in den Zeitungen, bevor die Protestation dem König vorlag. Ernst August tobte. Erst die Publizität der Göttinger Ereignisse setzte unerwünschte Diskussionen in Gang und machte die „Sieben" zu Vorbildern für die Anhänger eines Verfassungsstaates. So war ein wichtiger Grund für ihre Landesverweisung, dass Dahlmann, Jacob Grimm und Gervinus zugaben, die Verbreitung der Protestation zumindest nicht verhindert zu haben. Jacob Grimm schrieb später: „Alles bei unserer Einsprache hing ab von ihrer Öffentlichkeit, diese Sache strebte, wie die Pflanze nach dem Licht, nach der Öffentlichkeit."

(Arne Steinert)