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Die Atomwarnung der Achtzehn

DER SPIEGEL, 11. Jahrgang, Nr. 13 vom 24. April 1957

Mit einer »Göttinger Erklärung« protestierten 18 Atomforscher am 12. April 1957 öffentlich gegen Pläne der Bundesregierung, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszustatten. Kanzler Adenauer hatte zuvor verbreiten lassen, dass taktische Atom-raketen lediglich eine Weiterentwicklung der Artillerie wären. In der Erklärung der Achtzehn heißt es:

»[…] Wir fühlen keine Kompetenz, konkrete Vorschläge für die Politik der Großmächte zu machen. Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, dass es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atom-waffen jeder Art verzichtet. Jedenfalls wäre keiner der Unterzeichnenden bereit, sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen. […]«

Zu den Unterzeichnern gehörten Otto Hahn, Max Born, Walter Heisenberg oder Carl Friedrich von Weizsäcker. Ihr Appell aus Göttingen, der »Wiege der deutschen Atomphysik«, hatte Erfolg: Die Autorität der Forscherpersönlichkeiten und das große Echo ihrer Erklärung brachten die Bundesregierung zum Einlenken.

Der Artikel im SPIEGEL prägte die Formulierung »Göttinger Achtzehn«. Auch die Fotos der 18 Atomwissenschaftler erinnerten in ihrer Anordnung an die populären Drucke mit den Bildnissen der Göttinger Sieben.

(Arne Steinert)